Idyllisch im Moorgrund unweit Bad Salzungen liegt ein altes Dorf, dessen Fachwerkarchitektur und interessante Kirche den Betrachter erfreuen. Berühmt machte das Dorf die Familie des Reformators Martin Luther, die seit dem 14.Jh. hier nachweisbar ist. Als Martin Luthers Vater 1483 das Dorf in Richtung Mansfeld verließ, ließ er eine zahlreiche Verwandtschaft hier zurück. Auch heute noch ist der Luthersche Name einer der häufigsten in dieser Gegend.
Doch außer dem Namen erinnert in Möhra auch heute noch vieles an den Reformator von einst: In der Mitte des Dorfes, zugleich sein schönster Platz, erhebt sich sein bronzenes Standbild, welches vom Märchen und Sagensammler Ludwig Bechstein veranlasst, und in der Nürnberger Werkstatt des Jacob Burgschmied gegossen wurde. 1861 wurde es eingeweiht.
Auf den Feldern des rechteckigen Sockels sieht man Szenen aus dem Leben des Reformators: der Thesenanschlag, seine Gefangennahme bei Steinbach (nach seinem Aufenthalt in Möhra) und sein Aufenthalt auf der Wartburg.

Der bronzene Luther blickt dabei auf seines Vaters Haus, ein altes Fachwerkhaus von 1618, errichtet auf älteren Grundmauern durch Georg Luther.
Die Überlieferung berichtet, dass Luther vor diesem Haus, auf dem heutigen Lutherplatz, am 21.Mai 1521 den Einwohnern von Möhra gepredigt haben soll.

Vom Lutherplatz schreitet man bergan zur einstmals befestigten Chorturmkirche. Zu Luthers Zeiten war es nur eine kleine Kapelle, von der heute nur die steinerne Tischplatte des Altars zeugt. Um 1560 wurde diese Kapelle erweitert, davon sind uns heute noch die Fenster des Altarraumes, Triumphbogen, Taufstein und Kanzel erhalten.
Läuft man den steilen Weg zum Kirchberg hinan, so kommt man durch das 1615 errichtete, wunderschöne Kirchhofstor, welches noch heute das sächsische Wappen ziert.
Das Kirchengebäude erfuhr in den langen Jahren seiner Geschichte eine ganze Reihe von Veränderungen und Ergänzungen. Errichtet aus Bruchsteinen mit schönen Eckquaderungen, trägt der polygonale Turm eine welsche Haube. Das Kirchenschiff musste 1705 neu errichtet werden, da Blitz und Sturm dem alten arg zugesetzt hatten.
Auch die Weltkriege gingen nicht spurlos an den alten Mauern vorbei. Die Glocken wurden eingeschmolzen und konnten erst 1961 durch Gemeindespenden ersetzt werden. Noch in den letzten Kriegstagen wurde die Kirche durch US-amerikanische Panzer beschossen und stark zerstört.
Sehr interessant bietet sich auch der Innenraum dar: Zweigeschossige, mit Blumengirlanden verzierte Emporen, die westliche mit einer vorschwingenden Balustrade.
Bemerkenswert auch die barock verzierte Orgel: Sie wurde 1686 aus der Trinitatiuskirche zu Ruhla angekauft. Große Holzpfeifen an den Außenseiten wurden mit Metallfolie belegt, um so Metallpfeifen vorzutäuschen. Zum Lutherjubiläum 1983 wurde in das alte Gehäuse eine neue Orgel eingebaut.
Auf die sehenswerten illusionistischen Malereien muss an dieser Stelle noch hingewiesen werden. Alexander Schrich bemalte 1793 die Holztonnendecke im Kirchenschiff. Im Zentrum ein quadratischer Pfeilerbau mit einem Durchblick auf das heilige Dreifaltigkeitssymbol.Jedoch wurde diese Malerei im Jahre 1907 zugeputzt und das gesamte Kircheninnere mit einer dunklen Dekorationsmalerei versehen. Doch die Innenrenovierung des Jahres 1968 brachte die alte Malerei wieder zum Vorschein, fehlendes wurde ergänzt.
Falls Sie einmal auf Luthers Spuren wandeln sollten, so dürfen Sie einen Besuch im Lutherstammort Möhra nicht versäumen. Die Besichtigung der Kirche ist täglich möglich.