Fast am westlichen Ende des Rennsteiges steht die Wartburg, jene sagenumwobene Burg, die wegen ihrer geschichtlichen und künstlerischen Vergangenheit eine Sonderstellung unter den deutschen Burgen einnimmt. Oft wurde sie als die "deutscheste aller Burgen" bezeichnet.
Ihre Gründung ist sagenumwoben wie so vieles in ihrer langen Geschichte. Graf Ludwig der Salier soll 1067 den Wartberg für sich entdeckt haben. "Wart Berg, du sollst mir eine Burg tragen" - so soll er damals ausgerufen haben, als er den Fels betrat. Doch er war nicht der erste, der die strategischen Vorzüge dieses Berges erkannte: Bereits keltische Siedler sollen sich dereinst auf dem Berg niedergelassen haben, wie Funde bei Restaurierungsarbeiten belegen.
Erste Erwähnung findet die Burg jedoch erst 1080 in Brunonis "De Bello Saxonico", dem Buch über den Sachsenkrieg. Durch Ludwigs Einsatz gegen den Kaiser und für die päpstliche Seite wurde er mit dem Landgrafentitel für seinen Sohn belohnt. Die Burg blieb fortan lange Zeit im Besitz der Ludowinger, ehe sie 1247 infolge des Erbfolgekrieges an die Wettiner überging.
Unter den Ludowingern erlebte die Burg auch ihren ersten kulturgeschichtlichen Höhepunkt. Hermann I. und sein Bruder Ludwig III. hatten in Frankreich das höfische Leben in seiner höchsten Blüte kennengelernt. Auf die Wartburg zurückgekehrt versuchten sie den eigenen Hof nach französischen Vorbild einzurichten. Namhafte Minnesänger weilten auf der Wartburg: Walther von der Vogelweide und Wolfram von Eschenbach folgten dem Ruf des Landgrafen auf die Burg. Sie entwickelte sich unter seiner Regie zum politischen und kulturellen Mittelpunkt des Landes. Die Sage vom Sängerkrieg weiß davon zu berichten.
In diese Anfangsphase der Burggeschichte fallen auch die architektonischen Meister-werke. Über die ursprüngliche Burganlage ist wenig bekannt. Mauerring, Bergfrit und ein erster Palas sollen es gewesen sein, die Ludwig auf dem Berg errichten ließ. Hauptbauzeit der bestehenden Burganlage war das 12.Jh. Bauleute einer rheinischen Bauhütte errichteten 1157/58 den Palas als zweigeschossiges Gebäude.
Doch ein Brand vernichtete 1317/18 das Bauwerk. Sein Wiederaufbau brachte die ersten baulichen Veränderungen: Ein steileres gotisches Dach wurde dem Bauwerk aufgesetzt. Später wurden die Palasarkaden vermauert und neue Fenster eingebrochen. Wahrscheinlich wurde das Gebäude nun überhaupt erst bewohnbar. Der Palas war ursprünglich mehr der Palast der Künste gewesen als ein Wohnbau. Die Fassadengestaltung der Hofseite folgt dabei italienischen Vorbildern: Offene Arkadengänge, rhythmisch und harmonisch gegliedert, erfreuen noch heute das Auge des Betrachters.Treten Sie hier in den Palas ein.
Die ehemaligen Wehranlagen der Burg verdienen natürlich besondere Beachtung. Die Burg betritt man heute über eine Zugbrücke von Norden her. Sie ist aber nur ein Imitat aus dem 19.Jh., ursprünglich stand hier eine steinerne Brücke. Das kleine Plateau, von dem aus man einen Zugang zur Burg erhält, war einst der Standplatz eines Bollwerkes aus dem 15.Jh. zum Schutz des Eingangs. Es wurde Ende des 18.Jh. abgerissen. Goethe hat es bei einem seiner Besuche auf einer Skizze festgehalten.Das Torhaus trug einst einen Turm. Der rundbogige Eingang stammt noch aus dem 12.Jh., doch das Fachwerkgeschoß und das Gewölbe über der Durchfahrt aus dem 15.Jh.
Betritt man jetzt den schmalen vorderen Burghof, so befindet sich rechts die Vogtei (1475) mit der Lutherstube im Obergeschoß und der Luthergang. An der südlichen Giebelwand der Vogtei wurde der so genannte "Nürnberger Erker", vom "Harsdörfschen Haus" in Nürnberg stammend, im Jahre 1872 eingefügt, wie auch das "Pirckheimerstübchen", welches ebenfalls aus Nürnberg stammt.
Die mittlere Bautengruppe, bestehend aus Neuer Kemenate, Bergfried, Torhalle mit Söller und Dirnitz wurden erst bei der grundlegenden Wartburgerneuerung nach 1850 geschaffen. Durch diese Bauwerke wurde der einstmals durchgehende Burghof geteilt.
Der Bergfried wurde den vorgefundenen Fundamenten errichtet, jedoch bewusst schmaler gehalten. Er trägt seit 1863 ein vergoldetes Kreuz - ein Wunsch des Bauherren Großherzog Carl Alexander von Sachsen - Weimar und Eisenach.
Der südliche Burgturm aus dem 14.Jh. ist somit der einzige noch erhaltene mittelalterliche Wehrturm. In seinem Inneren befindet sich ein Gewölbe mit so genanntem "Angstloch". Dieses dunkle Verlies war von 1540-48 das Gefängnis des Wiedertäufers Fritz Erbe.
In der Mitte des hinteren Hofes befindet sich zwischen Palas und Gadem befindet sich eine kreisrunde und 7m tiefe Zisterne, die mit Regenwasser gefüllt den fehlenden Brunnen ersetzte.
Die im 19.Jh. erfolgte Erneuerung der Burg geht auch auf Goethe zurück, der die arg vernachlässigte, aber noch bewohnte Burg 1777 zum ersten mal besuchte. Er regte 1815 die Einrichtung eines Museums für mittelalterliche Plastik auf der Wartburg an. 1817 trafen sich hier die deutschen Burschenschaften mit ihrem Ruf nach deutscher Einheit. 1849 wurde Hugo von Ritgens aus Gießen mit der Bauausführung nach eigenen Entwürfen beauftragt. In den Folgejahren nach 1850 wurde das heute noch beeindruckende Wartburgbild geschaffen.
Wird noch fortgesetzt...