Die Geschichte des Schlosses Wilhelmsthal ist auch ein Spiegel der Geschichte Thüringens: An Park und Schloss kann man die Höhen und Tiefen der Geschichte unseres Landes ablesen wie in einem Buch oder den Lebensringen eines Baums.
1349 wurde Wilhelmsthal als "Wintershausen" (?) erstmals urkundlich erwähnt. Die herrlichen, wild- und fischreichen Wälder am Oberlauf der Elte waren beliebtes Ziel der Jagden der Wartburgherren. Sie erbauten sich zu diesem Zweck kleinere Jagdhäuser und Stallungen.
Um 1710 begann sich Herzog Johann - Wilhelm von Sachsen-Eisenach für dieses schöne Stückchen Erde zu interessieren. Nach seinen Vorstellungen wurde die Elte zu einem kleinen See angestaut, ein barocker Lustgarten angelegt und parallel zum Ufer eine axiale Schloßanlage gebaut.
Johann Mützel als Oberbaumeister von Sachsen-Eisenach errichtete an Stelle des Jagdhauses ein Corps de Logis, welches von elf weiteren Pavillons flankiert wurden. Wirtschaftsgebäude stehen am anderen Ende der Achse.
Mit dem Tod des letzten Eisenacher Herzogs 1741 fiel Wilhelmsthal an das Herzogtum Sachsen-Weimar. Der neue Landesherr Großherzog Ernst August beauftragte den Architekten Gottfried Heinrich Krohne mit den Umbaumaßnahmen in Wilhelmsthal. Dieser war zur gleichen Zeit mit den Bauarbeiten am Eisenacher Schloss beschäftigt. Krohne veränderte die vorgefundene Anlage, riss Häuser ab, veränderte die Zufahrtswege, schloss die Anlage an den Achsen ab und veränderte die Ausstattung der Häuser. Sein Entwurf für die Umgestaltung des Parks wurde jedoch nicht umgesetzt.
Wieder kamen Jahre der Ruhe und des Zerfalls, besonders der barocke Garten litt unter der bestehenden Regierungskrise in Sachsen-Weimar.
Mit neuen Vorstellungen begab sich Großherzog Carl August nach Wilhelmsthal. Ab 1795 begann die Umgestaltung des Geländes zu einem Landschaftspark. Zäune und Hecken verschwanden, der See wurde umgestaltet, Gebäude wurden abgetragen. Unter seiner Herrschaft bekam die Pavillonreihe ihren Abschluß durch eine Toskanischen Säulenhalle.
Wieder gingen Jahre der Nichtbeachtung ins Land. Erst mit der Regierungsübernahme durch Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach 1853 änderte sich auch in Wilhelmsthal wieder die Situation: Kein geringerer als Fürst Pückler entwarf Pläne für die Umgestaltung des Parks: Seeform und Bepflanzung des Ufers und der Parkgrenzen standen auf seiner Wunschliste, welche vom Hofgärtner auch in die Tat umgesetzt wurde.
Immer wieder weilten auf Einladung der Herzöge auch berühmter Besuch in Wilhelmsthal: Goethe soll hier an seinem "Wilhelm Meister" gearbeitet haben und der Park als Vorlage seiner "Wahlverwandtschaften" gedient haben.
Wilhelmsthal war vor allem im 18.Jh. der Mittelpunkt des höfischen Kunstlebens, denn es besaß einen für die Aufführung von Kammermusiken konzipierten Saal mit einer hervorragenden Akustik. Georg Philipp Telemann als Konzertmeister der Eisenacher Hofkapelle war auch für Aufführungen seiner Festmusiken in Wilhelmsthal verantwortlich.
Mit dem Ende der Monarchie 1918 verschwand auch das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. Schloss und Park Wilhelmsthal wurden nun anderweitig genutzt, im II. Weltkrieg nach einer zuvor erfolgten Zwangsenteignung als Lazarett. Der Park wurde bereits 1935 massiv durch den Bau eines "Gaujägerhofes" verunstaltet.
Nach dem Krieg und der Enteignung wurde das Schloss als Kinderheim und Wohnung verwendet und im oberen Teil des Parks ein Pionierferienlager eingerichtet.Durch massive Eingriffe in die Bausubstanz wurde das schöne Bauwerk weiter "verschandelt".
Seit der Wende stehen die meisten Gebäude ungenutzt und sind dem Verfall preisgegeben. Der Landschaftspark verwildert zusehends. Eine zukünftige Nutzung der Anlage scheint auch weiter ungewiss...